...Doch Gleiwitz, Gliwice und Denkmalenthüllung sind nur trockene Worte. In Wirklichkeit steckt mehr dahinter:

Da haben sich erstmals einige von uns entscheiden müssen ein paar Tage und einige Euro zu opfern, um bei den Kulturtagen in Gleiwitz dabei zu sein. Letztendlich waren das Magda Roggel, Ingrid Kaschny, Helga Weirauch, Hans Miedniak, Paul Weirauch und meine Wenigkeit. Die Feierlichkeiten fingen schon am 30.XI. an.

Da gab es eine Pressekonferenz mit Vertretern der Presse und des Fernsehens. Ich war dabei und konnte den Umfang und Aufwand rund um die geplanten Veranstaltungen erkennen (und mit einigen Interessierten sprechen). Sie waren sehr vielfältig und für ein zahlreiches Publikum vorgesehen. So eine Filmstunde im Kino „Bajka“ (Niederwallstraße) über und von Horst Bienek mit anschließender lebhafter Diskussion. Ein Hauptpunkt war die Podiumsdiskussion über das Schaffen und die Werke von Horst Bienek im Haus der Deutsch-Polnischen Zusammenarbeit. Vertreten waren die Bayerische Akademie für schöne Künste, Amtsinhaber der Stadt, der Gleiwitzer Kreis u.a. Für den Gleiwitzer Kreis war Magda Roggel mit einem interessanten Beitrag dabei. Alles wurde simultan übersetzt: aus dem Deutschen ins Polnische und umgekehrt. Hier hatte ich auch die Möglichkeit, meine Ungewißheit über die Fertigstellung des Mahnmales im Gespräch mit dem Vizepräsidenten der Stadt endgültig abzustreifen. Denn offiziell wurde uns diese zwar schon bestätigt, als wir noch in Deutschland waren, doch gleichzeitige Hintergrundinformationen sagten etwas anderes. Die Tafel mit der zweisprachigen Inschrift sollte demnach nicht fertig sein – wegen fehlender Akzeptanz aus Warschau. Hier im HDPZ erfuhr ich also, daß der Stein ...und die Tafel fertig sind und der Enthüllung am nächsten Tag nichts im Wege steht.

So fanden wir uns am 3. Dezember, einem leicht frostigen Tag mit Schneeüberresten, schon frühzeitig auf dem Gelände des Lapidariums ein. Unser Ehrenmitglied, Jurek Wyganowski, hatte ein schönes Gesteck in den Farben schwarz-rot-gelb aus frischen Blumen mit zwei entsprechend beschrifteten Schleifen mitgebracht. Die Stadtverwaltung hatte sogar für zwei Mikrophone und Lautsprecher gesorgt, der Pfarrer der dort ansäßigen St.Mariä Himmelfahrt-Gemeinde war anwesend und vorbereitet. Dann kamen die Ansprachen: des Vizepräsidenten, des Gleiwitzer Kreises und des Pfarrers, welcher auch die Segnung des Mahmales vornahm.

Für mich, wohl auch für viele andere, waren es bewegende Momente: sich gedanklich noch einmal in die Januar- und späteren Tage des Jahres 1945 zurückzuversetzen. In dieser Atmosphäre legten wir mit Paul Weirauch auch unser Gesteck vor das Mahnmal, so wie auch die Vertreter der Verwaltung, des Deutschen Freundeskreises und auch zahlreiche Privatpersonen. Nun ja, und etwas früher war ja noch die eigentliche Enthüllung (denn jetzt noch, wenn ich davon schreibe, nimmt meine Rührung Oberhand und ich bringe die Reihenfolge etwas durcheinander), welche wir mit Magda Roggel und dem Vizepräsidenten vorgenommen hatten. Dabei galt es die die Tafel bedeckenden rot-weiße und schwarz-rot-goldene Schleifen zu entfernen.

Dann war die eigentliche Feierlichkeit zu Ende.

Gleiwitz/Gliwce hat das erste deutschsprachige Denkmal, welches an die deutschen Opfer von 1945 erinnert. Es ist ein schönes und bedeutendes Denkmal und Gerhard Gruschka sagt dazu:


Ich finde das Mahnmal in seiner "stillen Größe" (Goethe) sehr beeindruckend. Dazu trägt auch der Pflasterbelag zum Mahnmal hin und um das Mahnmal herum bei, der dem Mal einen, meines Erachtens wichtigen Freiraum verschafft.

Auch die Inschrift halte ich in ihrer klaren Aussage für ausgesprochen passend.“


Zum Ausklang des Geschehens wurden wir, die Vertreter des GK, noch vom Vizepräsidenten zu einem guten Mittagessen eingeladen, währenddessen wir uns auf die vergangenen Jahre unserer gemeinsamen Bemühungen zurückbesinnen und unsere Existenz für die Stadt Gliwice nochmals bekräftigen konnten.

Müßig zu sagen, daß bei der Feierlichkeit am Friedhof die Presse anwesend war und entsprechende Artikel in einigen Zeitungen erschienen. Interessant, daß in jedem dieser Beiträge unsere Mitwirkung deutlich betont wurde(!), wobei wir mehrmals als die eigentlichen Initiatoren dargestellt wurden.